Lehrgang Servicekraft Wertstoffhof

– eine sinnvolle Investition in die Menschen der Kreislaufwirtschaft

Der Hybrid-Lehrgang „Servicekraft Wertstoffhof“ wurde innerhalb einer zweijährigen Pilotphase für Mitarbeiter:innen an Wertstoff-/Recyclinghöfen oder Recyclingzentren entwickelt.

Er schließt die bestehende Lücke zwischen autodidaktischem Herantasten ungelernter Kräfte auf den Wertstoffhöfen und der dreijährigen Ausbildung zum Ver- und Entsorgungstechniker. Dieser neue Lehrgang bietet:

  • Ein breites und bei entscheidenden Themen tiefes, praxisorientiertes und modernes Lernformat, das sich
  • individuell an den jeweiligen Lernkompetenzen einer heterogenen Teilnehmerschaft orientiert, sowie
  • mehrere Lernkanäle und -formate didaktisch nutzt und miteinander verbindet, dabei
  • die zeitliche Freistellung der Mitarbeiter:innen nicht überstrapaziert, vielmehr
  • die Integration des Erlernten maximal durch sinnvolle Intervalle, ineinandergreifende Lernkanäle und -module sowie den Austausch untereinander unterstützt,
  • eine hohe Motivation der Teilnehmer:innen für die Bewältigung der steigenden Anforderungen sicherstellt und
  • die Teilnehmer:innen auf Wunsch in einem übergreifenden Kompetenz-Team (Community) miteinander verbindet, um Austausch von Erfahrungen und Wissen über den Lehrgang hinaus sicherzustellen.

Der Lehrgang ist für erfahrene und neue Mitarbeiter:innen ohne spezifische Berufsaus­bildung gedacht. Er bietet sich für Quereinsteiger genauso an wie als Weiterbildung und Motivation für erfahrene Mitarbeitende, die direkt im Kontakt mit Kund:innen und Bürger:innen Tag für Tag umsetzen, was an grünen Tischen für den Umgang mit knapper werdenden Ressourcen entschieden wurde.

Der neue EU-Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft fordert zusätzliche Maßnahmen, um bis 2050 eine CO₂-neutrale, ökologisch nachhaltige, giftfreie und vollständig kreislauf­orientierte Wirtschaft zu erreichen, einschließlich strengerer Recyclingvorschriften und verbindlicher Ziele für die Verwendung und den Verbrauch von Materialien bis 2030. Diese Ziele können nur durch die Kreislaufwirtschaft erreicht werden.

Die Mitarbeiter:innen an den über 3.000 Wertstoff-/und Recyclinghöfen in Deutschland sind Vorreiter:innen, Ratgeber:innen und Treiber:innen dieser gewollten Entwicklung. Ihre fachliche und menschliche Kompetenz ist mitentscheidend beim Tempo der Transformation.

Beim ersten Lehrgang in Neustadt a.d.Aisch

1.     Herausforderungen

Die Aufgaben des Servicepersonals auf Wertstoffhöfen sind vielfältig und sie nehmen an Komplexität zu. Die Servicekräfte sind verantwortlich für die Annahme aller Wertstoffe, derer sich die Bürger:innen oder Gewerbetreibende entledigen möchten. Sie müssen blitzschnell erfassen, welche Fraktionen die Kund:innen dabeihaben und entscheiden, wo und wie diese einzusortieren sind. Mit der gestiegenen Verantwortung und der Hektik steigen auch die Unfallgefahren und Fehlerraten.

Regelmäßig muss die Servicekraft bewerten, ob ein bestimmter Abfall aufgrund geltender Vorschriften überhaupt angenommen werden darf und falls ja, unter welchen Sicherheitsvorkehrungen.

Auch wenn Asbest, künstliche Mineralfasern, Pflanzenschutzmittel oder weitere Problemstoffe nur von Fachpersonal gemäß TRGS 520 entgegengenommen werden dürfen, müssen doch alle Fachkräfte darüber grob Bescheid wissen und dies den Besucher:innen vermitteln.

Neue Technik oder Baustoffe, die es vor wenigen Jahren noch gar nicht gab, kommen mit Zeitverzögerung zur Entsorgung auf dem Wertstoffhof an, wie Solarmodule, Carbonfasern oder Lithiumbatterien. Auch diejenigen, die nicht in der Schadstoffannahme tätig sind, müssen diese neuen Wertstoffe erkennen, richtig einsortieren und die rechtlichen Vorgaben im Blick behalten können.

Aktuell haben alle Wertstoffhöfe mit der Annahme von Elektroaltgeräten zu kämpfen. Ein kompetenter Umgang mit Lithium-Ionen-Akkus für den vorbeugenden Brandschutz ist enorm wichtig. Die Einrichtung des mittlerweile allgemein anerkannten separaten Annahmetisches für Elektrokleingeräte, Batterien, Lampen, etc. konzentriert zusätzliche Aufgaben bei den Servicekräften.

Je nach geltenden Regeln der Kommune muss das Servicepersonal für vereinzelte Fraktionen Gebühren kassieren und diese begründen, Holz kategorisieren, Elektrogeräte sichten, Sperrmüll annehmen, Fahrzeuge einweisen und ein Betriebstagebuch führen. Vor allem in Stoßzeiten bedarf es eines hohen Maßes an Übersicht und Souveränität.

Auch beim Bauschutt nehmen die Anforderungen an das Wissen der Betreuer zu. Neue Schnittstellen zwischen Abfallberatung, Abfallvermeidung und Re-Use-Konzepten sind zu definieren.

Hinzu kommt die hohe nervliche Belastung beim Umgang mit schwierigen Kund:innen und Kolleg:innen: Unfreundliche und beleidigende Ausdrucksweisen oder gar Körperverletzung sind nicht selten und machen den Wertstoffhof mitunter zur „Kampfzone“. Die Mitarbeitenden können lernen, selbstbestimmt und verantwortungsbewusst mit diesen Stressfaktoren deeskalierend umzugehen.

Die künftige Branchenregel „Wertstoffhof“ der Unfallkassen wird die Anforderungen an das Schulungsniveau zusätzlich anheben.

2.      Veranstalter, Lehrinhalte und Lehrende

Verantwortliche Veranstalter sind die Akademie Dr. Obladen GmbH, Berlin und die ia GmbH Wissensmanagement und Ingenieurleistungen, München. Dies ist dem Verband kommunaler Unternehmen e.V. Abfallwirtschaft und Stadtsauberkeit VKS ein wichtiges Anliegen, weshalb er den Lehrgang unterstützt und fördert.

Die Grafik bildet in etwa die Intensität der einzelnen Lehrinhalte ab

Expert:innen und Trainer:innen der Akademie Dr. Obladen und der ia GmbH vermitteln in rund 150 Stunden vor Ort an Wertstoffhöfen und online die fachlichen wie menschlichen Kompetenzen, die das Wissen der Wertstoff-/Recyclinghof-Servicekräfte von morgen ausmachen.

  • Thomas Ahlmann, Geschäftsführer, Dachverband FairWertung e.V. (Essen)
  • Werner P. Bauer, ia GmbH Wissensmanagement und Ingenieurleistungen (München
  • Bernhard Bock, Betriebswirt und Projektmanager, Landratsamt Rosenheim
  • Denise Bock
  • Sarah Bonnemann, Geschäftsbereichsmanagement und Digitalisierungs­managerin der Abfallwirtschaft, Wirtschaftsbetriebe Duisburg – AöR (Duisburg)
  • Hans-Josef Hautzer, Novarec GmbH & Co. KG (Korschenbroich)
  • Meinolf Hein, Geschäftsbereichsleiter, RSAG Anstalt des öffentlichen Rechts (RSAG AöR)
  • -Ing. Julia Hobohm, Geschäftsführerin, Gemeinsames Rücknahmesystem Servicegesell­schaft mbH (Hamburg)
  • Jürgen Höllerl, Abfallwirtschaft Organisation, Abfallwirtschaft Starnberg KU
  • Hans-Peter Lambertz, Inhaber Beratungsbüro für Arbeitssicherheit und Gefahrgut
  • Kerstin Löber, Psychologische und Mentale Arbeitssicherheit, ia GmbH (München, Berlin)
  • Alexander Neubauer, Referent, Verband kommunaler Unternehmen e.V. (Berlin)
  • Uwe Neuber, Fachkraft für Arbeitssicherheit und Brandschutz, ia GmbH
  • Hans-Peter Obladen, Geschäftsführer, Akademie Dr. Obladen GmbH (Berlin)
  • Martina Peters, Diplom-Chemikerin, freie Dozentin (Holzkirchen)
  • Rolf-Michael Preugschat, Gefahrgut- und Abfallbeauftragter, Stadtreinigung Hamburg
  • Holger Saar M.SC. Fachkraft für Arbeitssicherheit, ia GmbH (München)
  • Jürgen Schütz, Abteilungsleiter Logistik und Vertrieb, AWA Service GmbH (Eschweiler)
  • Hedwig Vielreicher, Mentale Arbeitssicherheit, ia GmbH (München)

3.     Struktur und Aufbau des Lehrgangs

Zwischen zwei Präsenzwochen sind 10 Online-Tage – jeweils an einem Dienstag und Mittwoch – eingebettet. Den wissensvertiefenden roten Faden bilden 21 ExKurs-Karten, die noch weit über den Lehrgangszeitraum hinaus die Teilnehmer:innen an das Gelernte erinnern. Eine WhatsApp Gruppe bietet weiterführende Möglichkeiten einer intensiven Kommunikation zwischen den Beteiligten.

Der Lehrgang widmet sich in der ersten Woche der Vermittlung wesentlicher Kenntnisse zu Arbeitssicherheit, Gesundheit und Umweltschutz (GSU).

Praktische Übungen vermitteln die besonderen Zusammenhänge zwischen dem Alltag am Wertstoffhof und dem individuellen menschlichen Verhalten, der „Mentalen Arbeitssicherheit“. Sie fördern die Fähigkeit, auch an einem einfachen Sammelplatz eine maximale Sicherheit für alle Beteiligten umzusetzen. Durch bewusste Teambildung und durch Übungen in Zweier-Gruppen (Buddy-System) lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Erkenntnisse und Erfahrungen zu teilen. Beiderseitige Unterstützung ist ein elementares Arbeitsprinzip auf dem Wertstoffhof. Der mehrfache Besuch des lokalen Wertstoffhofs ist obligatorisch. Auch das Feuerlöschtraining mit der lokalen Feuerwehr findet in der ersten Seminarwoche statt.

An den online Tagen stehen Fragen der Kreislaufwirtschaft, rechtliche Grundlagen sowie werkstoffliche Kenntnisse im Vordergrund. Es gilt die kompetente Beratung von Kundinnen und Kunden auf dem Wertstoffhof sowie organisatorische und wirtschaftliche Belange sicherzustellen.

In der Abschlusswoche treffen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wieder persönlich auf einem Wertstoffhof und üben sich im praktischen Umgang mit den vielfältigen Materialien. Wertstoffe wie Rest- und Schadstoffe wollen den einzelnen Sammelfraktionen zugeordnet werden. Der letzte Tag dieser Woche dient der Wiederholung der Materie, der Beantwortung von Fragen und der gezielten Vermittlung des während des Kurses gewonnenen neuen Selbstverständnisses zum Stellenwert ihres Berufes. Die Teilnehmer:innen erhalten letzte Tipps und Unterstützung bei individuellen Fragen zu „ihrem” Wertstoffhof.

Damit aus den erlernten Kenntnissen eingeübte Fähigkeiten werden, erhalten die Teil¬nehmer:innen auch über den Kurszeitraum hinaus in 21 Aktionen Impulskarten per Post. Sie vertiefen und verankern das Gelernte, indem sie die Aufgabenfelder aller Lehrgangswochen mit ihren vertieften Bezügen zu Arbeitsschutz, Sicherheit und Umwelt aufnehmen. Jeder ExKurs ist eine beidseitig bedruckte und bebilderte Karte in DIN A 5 Format mit kursbezogenen Inhalten und Übungsaufgaben, die sich auf das Wesentliche beschränken und zu der Selbsterfahrung motivieren, die im Alltag stattfindet, ohne „Zeit“ zu beanspruchen. Der gewünschte Ankereffekt entsteht – Faktenwissen wird mit emotionaler Intelligenz gekoppelt.

Der ExKurs erleichtert es den Teilnehmer:innen, ihr neues Wissen auch an Kolleg:innen weiterzugeben: Sie können die Karten teilen und werden selbst zum „Trainer“. Mit dem letzten Impuls haben die ExKursler eine Sammlung von 21 Karten (= 21 Etappen), die auch als Mini-Poster am Wertstoffhof eingesetzt werden können.

Ebenso über den Kurs hinaus können sich die Teinehmer:innen bei aufkommenden Fragen zu Arbeitsschutz per E-Mail bei Uwe Neuber Rat einholen.

4.     Zielgruppe

Der Lehrgang richtet sich an Personen in einem Anstellungsverhältnis auf einem Wertstoffhof ohne einschlägige Berufsausbildung. Dazu zählen auch Mitarbeiter:innen, die intern aus anderen Bereichen (z.B. Kraftfahrende) oder aus gesundheitlichen Gründen versetzt wurden.

Einige Mitarbeitende sind ausgebildete Fachkräfte für Kreislauf- und Abfallwirtschaft, andere wiederum haben eine fachfremde Ausbildung als Mechaniker oder Schreiner durchlaufen. Oft handelt es sich um Teilzeitbeschäftigte ohne einschlägige Berufsausbildung: In einigen Betrieben gibt es nahezu 90% Quereingestiegene, die sich ihr Wissen autodidaktisch angeeignet haben und von Kolleg:innen im hauseigenen Betrieb angelernt wurden. Eine systematische und umfassende Schulung von Mitarbeiter:innen am Wertstoffhof ist eher die Ausnahme.

5.     Nutzen

Eine gut ausgebildete und informierte Servicekraft macht weniger Fehler, gewinnt Sicherheit im Umgang mit verschiedenen Wertstoffen, kann Kund:innen gegenüber kompetent auftreten und diese über die korrekte Entsorgung informieren. Teilnehmer:innen des Lehrgangs Servicekraft Wertstoffhof verbessern die Verständigung mit ihren eigenen Kolleg:innen, lernen durch die breite Diskussion unterschiedlicher Lösungsansätze auch Kolleg:innen anderer Einrichtungen kennen.

Eine gestärkte Achtsamkeit auf mögliche Gefahren verhindert Unfälle und schützt die physische und psychische Gesundheit. Studien zeigen, dass bei Vermittlung der Lehrinhalte zu physischer und psychischer Gesundheit Krankheitstage abnehmen.

Die 21 ExKurs-Karten vertiefen das Wissen, schaffen Erfahrungen und verbinden die Lehrinhalte miteinander. Die Transfermethode erhöht die Lernquote, entwickelt die persönliche Resilienz und steigert die Motivation.

In der Regel ist der Wertstoff-/Recyclinghof der meistbesuchte Ort der Kommunikation zwischen Kommune und Bürger:innen. Das Bildungsangebot seiner Servicekräfte hebt den Qualitätsstandard von Wertstoffhöfen insgesamt an. Durch freundliche und kompetente Servicekräfte am Wertstoffhof profitiert in erster Linie die Kommune.

Für Leitende von Wertstoffhöfen ist die Qualifizierungsmaßnahme eine sich unmittelbar lohnende Investition, die über den reinen Zugewinn an Fachwissen hinausgeht. Das Ermöglichen von Weiterbildungen ist auch immer ein Signal an die Belegschaft, dass ihre mitunter herausfordernde Arbeit geschätzt und gefördert wird. Wertgeschätzte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind motivierter und leisten deshalb qualitativ bessere Arbeit; zugleich wachsen Verbundenheit und Identifikation mit dem Betrieb.

Von den bisherigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern empfehlen 90% den Lehrgang sogar uneingeschränkt weiter.

6.      Termine und Orte

Folgende Termine und Orte für das Jahr 2023 sind in Planung:

Wir streben stabile Lerngruppen an. Im Einzelfall z. B. wegen einer Verhinderung durch Krankheit oder Urlaub ist auch ein Wechsel in eine andere Lerngruppe möglich.

7.      Zeugnis und Bescheinigungen

Am Ende der ersten und vierten Lehrgangswoche erhalten alle Teilnehmer:innen eine Teilnahmebescheinigung. Wer den Lehrgang vollständig erfolgreich besucht hat, erhält ein Zeugnis mit den Unterschriften der Akademie Dr. Obladen GmbH, der ia GmbH und des Verbands kommunaler Unternehmen e.V. Abfallwirtschaft und Stadtsauberkeit VKS. Das Zeugnis beinhaltet weitere Bescheinigungen:

  • Sachkunde gemäß § 10 Entsorgungsfachbetriebeverordnung
  • Unterweisung nach § 12 ElektroG, § 14 Gefahrstoffverordnung sowie der Mitteilung der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Abfall (LAGA) 31 A „Umsetzung des Elektro- und Elektronikgerätegesetzes“
  • Sachkunde für die Zuordnung von Altholz nach § 5 der Altholzverordnung
  • Sachkunde Leiter/Tritte
  • Qualifizierung Brandschutzhelfer gemäß DGUV Information 205

8.     Teilnahmegebühr

Die Teilnahmegebühr beträgt pro Person 4.450 € zuzüglich Mehrwertsteuer, zahlbar in zwei Teilbeträgen vor dem Beginn und vor dem Ende des Lehrgangs. Die Teilnahmeplätze für die Präsenzwochen sind auf ca. 12 Personen begrenzt. Für die Onlinetermine werden zwei Gruppen zusammengelegt.

9.     Kontakt

Kontaktieren Sie uns: Anmeldungen sind möglich unter der Nummer:

ia GmbH – Wissensmanagement und Ingenieurleistungen: +49 (89) 189 1787 11

Akademie Dr. Obladen GmbH: +49 (30) 2100548 – 10